{"id":592,"date":"2011-07-11T16:11:33","date_gmt":"2011-07-11T14:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-gubo.at\/cms\/?p=592"},"modified":"2017-02-07T16:13:04","modified_gmt":"2017-02-07T15:13:04","slug":"vom-geistreichen-nichtstun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-gubo.at\/cms\/index.php\/2011\/07\/11\/vom-geistreichen-nichtstun\/","title":{"rendered":"Vom geistreichen Nichtstun"},"content":{"rendered":"<p>Zur Ruhe kommen? Daf\u00fcr ist in der Informationsgesellschaft kaum Zeit. Im Gegenteil, wir sind permanent online und allzeit erreichbar \u2013 und haben zugleich st\u00e4ndig Angst, etwas zu verpassen; wir leiden an Reiz\u00fcberflutung und dem Gef\u00fchl st\u00e4ndiger \u00dcberforderung \u2013 und gieren gleichwohl nach schnelleren Datenleitungen und leistungsf\u00e4higeren Handys; wir f\u00fchlen, wie unsere Zeit immer knapper wird, sehnen uns nach Mu\u00dfe \u2013 und f\u00fcrchten zugleich nichts so sehr wie das Nichtstun und die Langeweile.<\/p>\n<p>Dabei wissen Philosophen l\u00e4ngst, dass Geist und Seele sch\u00f6pferische Pausen brauchen. Nun wird diese Weisheit auch von der Wissenschaft entdeckt. Hirnforscher und Psychologen zeigen, wie wichtig Auszeiten und Momente des Nichtstuns sind: Diese f\u00f6rdern nicht nur die Regeneration und st\u00e4rken das Ged\u00e4chtnis, sondern sind geradezu die Voraussetzung f\u00fcr Einfallsreichtum und Kreativit\u00e4t, vor allem aber f\u00fcr das seelische Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Dass schon der Anblick von Wiesen und B\u00e4umen einen erholsamen Effekt hat, ist mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen. Von den vielf\u00e4ltigen Eindr\u00fccken in der Stadt wird vor allem unser Arbeitsged\u00e4chtnis belastet, das die Konzentration und die Willenskraft steuert. Je mehr Reize das Gehirn verarbeiten muss, umso schwerer f\u00e4llt es, konzentriert und ganz bei sich zu bleiben. In der Natur dagegen, wo die Reizdichte enorm reduziert ist, wird dieser geistige \u00bbKraftspeicher\u00ab gr\u00fcndlich aufgef\u00fcllt. Nat\u00fcrlich haben die vielf\u00e4ltigen Stimuli des Stadtlebens auch eine inspirierende Wirkung. So l\u00e4sst sich das st\u00e4dtische Getriebe zwar hervorragend als N\u00e4hrboden f\u00fcr neue Ideen und Pl\u00e4ne nutzen. Doch um diese in die Praxis umzusetzen (oder sich einfach nur vom Stadtgetriebe zu erholen), brauchen wir oft jene Mu\u00dfe, die uns eine reizarme, ablenkungsfreie Umgebung gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Hirnforscher haben zudem herausgefunden, dass unser Denkorgan beim ziellosen Nichtstun keinesfalls unt\u00e4tig ist; im Gegenteil, manche Hirnregionen sind beim Tagtr\u00e4umen, Schlafen oder Meditieren sogar st\u00e4rker aktiv als beim zielgerichteten Denken. Befreit von Input, kann das Gehirn gewisserma\u00dfen in sich selbst spazieren gehen, frische Verbindungen zwischen Nervenzellen kn\u00fcpfen und so neue Zusammenh\u00e4nge zwischen gespeicherten Fakten herstellen.<\/p>\n<p>Doch man kann es mit dem Gr\u00fcbeln auch \u00fcbertreiben. Denn das bewusste Denken folgt oft nur den bekannten, ausgetretenen Pfaden. Wer allzu verbissen nach der L\u00f6sung sucht, w\u00fcrgt h\u00e4ufig seine Kreativit\u00e4t regelrecht ab \u2013 dann wird es Zeit, das Hirn zu l\u00fcften. \u00bbLenken Sie sich ab, schlafen Sie dr\u00fcber. Die vorbewussten, intuitiven Netzwerke in Ihrer Gro\u00dfhirnrinde erledigen den Job f\u00fcr Sie\u00ab, r\u00e4t der Hirnforscher Gerhard Roth.<\/p>\n<p>Wer \u00fcbrigens wissen will, wann es Zeit f\u00fcr eine Auszeit ist, f\u00fcr den hat Ernst P\u00f6ppel eine einfache Faustregel parat: F\u00fchren Sie sich abends Ihren Tag vor Augen, und fragen Sie sich, was Sie Kreatives geleistet haben. \u00bbKreativit\u00e4t ist ein wichtiges Merkmal eines ausgeglichenen Menschen\u00ab, sagt P\u00f6ppel. \u00bbWer nur noch erledigt, abarbeitet, reagiert, braucht definitiv eine Pause.\u00ab<\/p>\n<p>Dies ist ein Auszug aus dem Artikel \u201eVom geistreichen Nichtstun\u201c, erschienen in der Zeitschrift \u201eDie Zeit\u201c, Ausgabe Nr. 49\/2010 von Ulrich Schnabel, basierend auf dessen Buch: Ulrich Schnabel: Mu\u00dfe \u2013 Vom Gl\u00fcck des Nichtstuns, 978-3-89667-434-0; Blessing, 2010; 288 S., 19,95 \u20ac<\/p>\n<p>Copyright Dr. Edgar Gubo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Ruhe kommen? 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